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Augenzeugin schildert Tod des Abschiebehäftlings


Bericht vom 3. Prozesstag
Jeder drückt auf seine Weise
"Ageeb schrie nach Luft"
Lächerliche Ausflüchte vor Gericht
Augenzeugin schildert Tod des Abschiebehäftlings

Rheinische Post, 09.02.2004

Prozess gegen BGS-Beamte wegen fahrlässiger Tötung

Augenzeugin schildert Tod des Abschiebehäftlings

Frankfurt/Main (rpo). Im Prozess um den Tod eines Abschiebehäftlings hat eine Augenzeugin geschildert, wie sich der Todeskampf des 30 Jahre alten Mannes im Kampf gegen drei BGS-Beamte abgespielt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten fahrlässige Tötung vor.

Der Sudanese habe mehrfach gesagt, er bekomme keine Luft mehr, sagte die Frau, die im Flugzeug vor dem Mann direkt neben einem der drei angeklagten Beamten des Bundesgrenzschutzes gesessen hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Polizisten fahrlässige Tötung vor, weil sie den Mann so stark nach vorne gedrückt hätten, dass er erstickte. Laut Anklage haben sie ihn so heftig nach vorne gedrückt, dass er erstickt ist. Aamir Ageeb war am 28. Mai 1999 bei der Rückführung kurz nach dem Start in Frankfurt gestorben.

Die 54 Jahre alte Zeugin berichtete vor dem Frankfurter Amtsgericht, Ageeb habe sich, kurz nachdem die Maschine los gerollt war, im Sitz aufgerichtet. Einer der Beamten habe sie und ihre elfjährige Tochter mit den Worten beruhigt "Wir machen ihn ruhig." Der Polizist, der neben ihr saß, sei dann aufgestanden und habe sich nach hinten gebeugt, um den Sudanesen nach unten zu drücken.

Es sei schließlich zu einem mehrminütigen Kampf gekommen. Auf einmal sei der 30-Jährige zur Seite gefallen. Nachdem er zusammengebrochen war, hätten ihm die Polizisten den Helm vom Kopf genommen, die Plastikfesseln an Händen, Füßen und Bauch durchtrennt und ihn aufgesetzt. Ageeb habe Schaum vor dem Mund gehabt. Später hätten drei Ärzte den Tod des Mannes festgestellt.

Zuvor hatte der damalige Dienstgruppenleiter der zuständigen Grenzschutz-Gruppe vor Gericht berichtet, dass routinierte Kollegen, die oft bei Rückführungen Ausländer begleiteten, immer wieder erzählten, sie drückten sie nach vorne, wenn sie zu sehr schrien. Der 52-Jährige betonte aber auch, es sei nicht bekannt gewesen, dass dieses Verhalten lebensgefährlich sei.

Die angeklagten Beamten im Alter zwischen 31 und 40 Jahren, die sich seit einer Woche vor einem Frankfurter Schöffengericht verantworten müssen, wollen sich im Prozess nicht äußern.