IPPNW, Pro Asyl
Diskussionsveranstaltung "Abu
Ghraib lässt grüßen"
Während des Gerichtsverfahrens um den Tod des Sudanesen Amir Ageeb bei
seiner Abschiebung wurde bekannt, dass dieser während seines Aufenthaltes
im Abschiebungsgewahrsam des Bundesgrenzschutzes menschenunwürdig, atembehinderten
und gefährlich in der sogenannten Hogtiestellung gefesselt worden war.
Der Vorsitzende Richter der 21. Strafkammer wagte einen Vergleich mit dem entwürdigendem
Vorgehen amerikanischer Soldaten im Abu Ghraib Gefängnis in Bagdad und
erntete heftige Kritik von Seiten des Bundesinnenministeriums.
Vor kurzem erst wurde bekannt, dass im März diesen Jahres und erneut im
November in der JVA Dresden eine vietnamesische Gefangene durch die auch Schaukelfesselung
genannte Fesselung von Händen und Füssen hinter dem Rücken nach
Aussagen der Anstaltsleitung am Selbstmord gehindert werden sollte, weil andere
Mittel angeblich nicht zur Verfügung standen.
Zwei von vielen Anlässen, die die Frage nahe legen, in welchem Umfang
erniedrigende Behandlung bis hin zur Folter in Deutschlands unkontrollierten
Bereichen (Haftanstalten, Gewahrsam, Sondercharterflüge für Abschiebungen)
vorkommt. Gibt es ähnlich wie in Guantanamo oder Abu Ghraib Orte, an denen
übereifrige Staatsdiener ihren Demütigungs- und Misshandlungsphantasien
freien Lauf lassen dürfen, ohne von Vorgesetzten wirksam daran gehindert
zu werden? Welche Mechanismen wirken dabei mit, dass der entwürdigende
Umgang mit Menschen in solchen Situationen offenbar nicht tabu ist? Wie ist
es zu erklären, dass wenn überhaupt lediglich die unmittelbaren
Täter zur Verantwortung gezogen werden, nicht aber ihre Vorgesetzten und
die politisch Verantwortlichen?
Was schließlich wären die Konsequenzen und Forderungen aus den Erkenntnissen
aus der juristischen Aufarbeitung der Abschiebungstodesfälle in Deutschland
und anderen europäischen Staaten?
Zu einer Podiumsdiskussion über diese Fragen laden ein: IPPNW-Ärzte,
PRO ASYL
Ort: Frankfurt am Main, Katharinen Kirche (An der Hauptwache)
Zeit: Freitag 14. Januar 2005, 19:30 Uhr
Podiumsteilnehmer:
Dr. Heinrich Gehrke, ehemals Vorsitzender Richter der 21. Strafkammer des Landgerichts
Frankfurt
Bernd Mesovic, PRO ASYL
Claus Metz, IPPNW-Ärzte in sozialer Verantwortung
Andreas Schwantner, amnesty international
Martin Schmitt, Gewerkschaft der Polizei/BGS
Ulrich Westermann, ehem. Lufthansa-Kapitän
Vertreter des Bundesinnenministeriums (angefragt)
Moderation: Ulrike Holler, Hessischer Rundfunk